Positive Psychologie

für dein Aufblühen!

Was ist Positive Psychologie?

Positive Psychologie ist die Wissenschaft vom gelingenden Leben, die wissenschaftliche Forschung zu einem erfüllten Leben, Arbeiten & Lieben. Sie untersucht Bedingungen, Faktoren und Wechselwirkungen, die das Wohlbefinden, die optimale Entwicklung und das Aufblühen von Individuen, Beziehungen, Familien, Teams, Organisationen und ganzen Gesellschaften unterstützen. Sie ist eine Psychologie des Glücks auf persönlicher, beziehungsrelevanter, organisatorischer, gesellschaftlicher und globaler Ebene.

Als junger Zweig der Psychologie basieren die Erkenntnisse der Positiven Psychologie auf wissenschaftlicher Forschung. Seit mehreren Jahrzehnten beantworten Forscher Fragen wie:

  • Was ist Glück, wie kann man es messen und was macht glücklich?
  • Wie lässt sich Wohlbefinden und Wachstum unterstützen?
  • Was erhält die Gesundheit, psychisch und körperlich, von Menschen?
  • Wie kann man Potentialentfaltung fördern?
  • Was macht uns nachhaltig leistungsfähig?
  • Wie können Schwierigkeiten und Krisen erfolgreich bewältigt werden?
  • Was macht ein erfülltes Leben aus und was macht das Leben lebenswert?

Denn man weiß inzwischen, dass Gesundheit nicht durch die Abwesenheit von Krankheit entsteht. Genauso wenig, wie Glück und Wohlbefinden durch die Abwesenheit von Leid und psychischen Symptomen entstehen. Deshalb hat die Positive Psychologie den Fokus der Psychologie vom Heilen und Lindern psychischer Erkrankungen, auf die Förderung von Wohlbefinden und Wachstum erweitert. Dass wir die Volkskrankheit Nummer 1, Depressionen, heilen können, hat uns nicht glücklicher gemacht. Auch der steigende Wohlstand, die verbesserte Gesundheitsversorgung und mehr Sicherheit und Gerechtigkeit haben die Zufriedenheit nur geringfügig gesteigert. Und an dieser Stelle nimmt die Positive Psychologie eine entscheidende Rolle ein, indem sie uns fundierte Theorien, Modelle, Interventionen und Übungen zur Verfügung stellt, die in verschiedenen Kontexten Anwendung finden und zum Aufblühen beitragen.

Man kann die Positive Psychologie auch als Oberbegriff für viele verschiedene Themenbereiche sehen. Denn in der Tat gab es einige Themen, die die Positive Psychologie heute beinhaltet, auch schon vor der Positiven Psychologie, wie Achtsamkeit, Resilienz und einige andere. Was die Positive Psychologie jedoch so kraftvoll macht, ist ihre stärken-, werte- und sinnorientierte, zutiefst menschliche Haltung, die die Bereitschaft beinhaltet, in jedem Stärken und etwas Gutes zu sehen, die darauf vertraut, dass Menschen nach Wachstum und Potentialentfaltung streben und im Wesen gut sind. Sie hat das Wohl aller Menschen im Sinne und macht die Welt ein bisschen besser.

Themen der Positiven Psychologie

Glück & Wohlbefinden
Positive Emotionen
Stärken
Werte
Sinn
Flow
Selbstbestimmung
Positive Kommunikation
Positive Beziehungen
Selbstmitgefühl
Resilienz
Posttraumatisches Wachstum
Positives Mindset
Positive Ziele
Achtsamkeit

Geschichte der Positiven Psychologie

Die Ursprünge der Positiven Psychologie reichen weit zurück, bis in die Antike. Schon Aristoteles wusste etwas zu Glück (Eudaimonia und Hedonismus) und den Tugenden der Menschen zu sagen. Doch erst 1954 wurde der Begriff Positive Psychologie geprägt. Vom humanistischen Psychologen Abraham Maslow, der vielen durch seine berühmte Bedürfnispyramide bekannt ist (die eigentlich gar keine Pyramide ist). Er widmete in seinem Buch Persönlichkeit & Motivation ein Kapitel der Positiven Psychologie. Es dauerte noch einige Jahre bis wirklich Bewegung in den Bereich der Positiven Psychologie kam, den Maslow erdacht hatte. Und den auch Carl Rogers, Vater des Humanismus, in seinem Konzept der fully functioning person aufgenommen und weitergedacht hatte. Rogers fully functioning person entspricht sehr dem Aufblühen, wie wir es in der Positiven Psychologie nennen. Und auch Viktor Frankl, ebenfalls ein Verfechter des Humanismus und eine inspirierende Persönlichkeit, bezog sich auf diesen Gedanken der Positiven Psychologie, als er von Höhen- statt Tiefenpsychologie sprach. Die Positive Psychologie ist also stark im Humanismus verwurzelt. Das zeigt sich auch in der Haltung, die der des Humanismus sehr ähnlich ist. Der Humanismus revolutionierte damals das Denken über Menschen in der Psychologie. Weg vom triebgesteuerten Menschen, der nur darauf aus ist, seine Bedürfnisse zu befriedigen, glaubte der Humanismus an das Gute im Menschen und sah Entwicklung und Potentialentfaltung als ein natürliches Bedürfnis an. Und genau diese Gedanken hat auch die Positive Psychologie verinnerlicht.

Das, was Frankl mit Tiefenpsychologie beschreibt, ist die Psychologie am Ende des 20. Jahrhunderts. Geprägt von den Kriegsjahren und vielen traumatisierten Menschen, konzentrierte sich die psychologische Forschung, genauso wie die Psychotherapie, damals darauf, Wege zu finden, psychische Symptome zu lindern und psychische Krankheiten und Traumata zu heilen – berechtigterweise. Doch was auch einige Jahre später immer noch keine Beachtung fand, war, dass das menschliche Erleben und Verhalten nicht nur schlechte Erfahrungen und Traumata beinhaltet, sondern auch schöne Momente, Glück und Wachstum. Dabei sollte die Psychologie das menschliche Erleben und Verhalten ganzheitlich untersuchen und erforschen.

1998 wurde der Stein der Positiven Psychologie endlich ins Rollen gebracht. In seiner Antrittsrede als Präsident der American Psychological Association (APA, amerikanische Psychologenvereinigung) forderte Martin Seligman ein Umdenken in der Psychologie.

„50 Jahre später möchte ich unser Gebiet der Psychologie daran erinnern, dass es abgelenkt wurde. Psychologie ist nicht nur das Studium von Schwäche und Schaden, sondern auch das Studium von Stärke und Tugend. Die Behandlung besteht nicht nur darin, das zu reparieren, was kaputt ist, sondern das Beste in uns zu fördern.“

Vor vielen gestandenen Psychologen und Psychotherapeuten setzte er sich dafür ein, dass die Psychologie wieder mehr die Themen Gesundheit, Wohlbefinden und Prävention in den Blick nahm, und nicht nur Krankheit und Therapie. Damit setzte Martin Seligman einen wichtigen Meilenstein in der Geschichte der Positiven Psychologie. Er setzte sich dafür ein, dass in der Forschung das Potential von Menschen wieder zum Thema wurde. Zu diesem Zeitpunkt gab es viel mehr Forschung zu Depression, als zu Glück (fast 20-mal so viel) und viel mehr Forschung zu negativen, also zu positiven Emotionen gab (ungefähr 14-mal so viel). Doch Seligman wusste aus eigener Erfahrung, dass das nicht ausreichend war und an vielen Stellen nicht weiterhalf. Als Psychologe, der jahrelang zu Depressionen und erlernter Hilflosigkeit forschte und mit depressiven Patienten arbeitete, hatte er beobachtet, dass das Therapieren von Depressionen nicht zu Glück und Zufriedenheit führte. Stattdessen saß dann oft ein leerer Patient vor ihm, die depressiven Symptome waren weg, aber an ihre Stelle war kein Wohlbefinden getreten. Diese Lücke füllt heutzutage die Positive Psychologie.

Die Wellen der Positiven Psychologie

Die 4 Wellen der Positiven Psychologie

Inzwischen ist die Positive Psychologie gewachsen und hat sich weiterentwickelt. Die Anfänge ab Ende der 90er Jahre, die erste Welle der Positiven Psychologie, fokussierte stark auf das Positive verlor dabei, ebenso wie die Psychologie, ein Stück weit die Gesamtheit aus den Augen verloren. Und dafür erntete die Positive Psychologie zunehmend Kritik. Es wurde immer deutlicher, dass Positives zu Negativem führen kann und umgekehrt. Unrealistischer Optimismus zieht riskantes Verhalten nach sich. Die Übertreibung einer Stärke führt zu negativen Konsequenzen. Gleichzeitig können Krisen dazu beitragen, dass Menschen wachsen, Misserfolge können wichtige Lernerfahrungen sein und negative Emotionen sind ein wichtiger Hinweis auf Bedürfnisse und Werte. Der blinde Fleck der ersten Welle war eine implizite Neigung zum Positiven und zu einer gewissen Vereinfachung. Leid, Ambivalenz, strukturelle Bedingungen und kulturelle Unterschiede spielten eine untergeordnete Rolle. Die erste Welle litt vor allem an der Kritik, zu individualistisch und stellenweise naiv zu sein. Auf diese Kritik reagierte die Positive Psychologie.

Die zweite Welle der Positiven Psychologie begann circa 2010 und stellte eine Synthese von Positivem und Negativem dar. Positive Psychologie 2.0 integrierte Themen wie negative Emotionen und Krisenerfahrungen und holte die Positivität der Positiven Psychologie auf eine tiefere Ebene. Themen wie Sinn, Selbstmitgefühl, Resilienz und Posttraumatisches Wachstum bekamen mehr Raum und Beachtung. Es wurde anerkannt, dass das Leben positive und negative Aspekte beinhaltet und die Positive Psychologie um weitere Nuancen und Erkenntnisse bereichert. Eine wichtige Rolle in dieser Entwicklung spielte Paul Wong 2011 mit seinem Artikel, in dem er die Herausforderungen und Themen der Positiven Psychologie 2.0 darstellte. Die zweite Welle der Positiven Psychologie erfasste den Menschen und das Leben wieder mehr in seiner Gesamtheit. Glück wird immer weniger als „sich gut fühlen“ und mehr als „gut leben“ verstanden. Neben positiven Emotionen umfasst Glück auch das Erleben von Sinn oder den Einsatz von Tugenden. Und auch Herausforderungen, Misserfolge und Krisen gehören zum Leben dazu und wir wissen, dass diese die Persönlichkeit von Menschen prägen und tiefe Wachstumsprozesse anstoßen können. Auch Negatives, Schlimmes und Verletzendes kann langfristig zum Aufblühen beitragen und hat deshalb seinen Platz in der Positiven Psychologie. Während die zweite Welle der Positiven Psychologie die Kritik der Neigung zum Positiven entschärfte, wurden die Stimmen lauter, die der Positiven Psychologie Vereinfachung und Individualisierung vorwarfen.

Die Antworten darauf brachte die dritte Welle der Positiven Psychologie ab Mitte/Ende der 2010er mit sich. Als Zweig der Psychologie, legt auch die Positive Psychologie ihren Fokus auf das Individuum, im Gegensatz z.B. zur Soziologie. Ein Großteil der Forschung folgt der Frage, was einzelne Menschen glücklich macht und wie das Wohlbefinden von Individuen gefördert werden kann. Dabei bleiben Fragen nach dem Wohlbefinden von Gesellschaften und einer lebenswerten Welt ein Stück weit auf der Strecke. In Zeiten von Globalisierung und Digitalisierung gewinnen diese jedoch zunehmend an Relevanz. Auch wenn sich Themenbereiche wie Positive Business oder Positive Beziehungen der zwischenmenschlichen Kommunikation und dem Funktionieren von Partnerschaften, Teams oder Unternehmen widmen, fokussiert die Positive Psychologie auf das Glück des Einzelnen. Doch das Glück einer Gesellschaft ist mehr als die Summe des Glücks jedes Einzelnen. Und genau dieser Lücke widmet sich vermehrt die Positive Psychologie 3.0, indem sie über das Individuum hinaus schaut. Sie stellt Fragen wie: wie können Systeme funktionieren, was bringt Gesellschaften zum Aufblühen und wie kann die Positive Psychologie zu einer lebenswerten Welt beitragen. Gleichzeitig gewinnt die Positive Psychologie noch ein Stück mehr an Tiefe, indem sie existenzielle Fragen und die Endlichkeit des Lebens mehr in den Fokus rückt und der Komplexität des Lebens Beachtung schenkt. In der wissenschaftlichen Forschung ist eine Erweiterung des Anwendungsbereichs und der Methoden zu beobachten. Es wird anerkannt, dass jeder Mensch in ein System eingebettet ist und Veränderungen nicht einfachen Ursache-Wirkungs-Mechanismen unterliegen. Die Forschung weitet sich aus, von der westlichen Welt in andere Kulturen und Sprachräume. Neben quanitativen Methoden, oft mithilfe von Selbstbefragungen, finden immer mehr qualitative, implizite und computergestützte Methoden Anwendung. Systemisch, kollektiv und kontextuell sind wichtige Schlagwörter der dritten Welle. Doch dieser neue Fokus bringt auch Herausforderungen mit sich. Da Glück nicht mehr als rein privates Projekt verstanden wird, bewegt sich die Positive Psychologie auch näher an gesellschaftliche und politische Debatten, was nicht unumstritten ist.

Damit scheint in den letzten Jahren eine vierte Welle der Positiven Psychologie Fahrt aufgenommen zu haben. Mit Start der 2020er mehren sich die Stimmen, die ein Umdenken, eine Weiterentwicklung, eine Neukonzeption der Positiven Psychologie fordern. Denn in einer Zeit erschütternder Krisen, von Pandemien über Naturkatastrophen bis hin zu Kriegen läuft die Positive Psychologie Gefahr, bedeutungslos zu werden. Globale Herausforderungen wie Nachhaltigkeit, Gerechtigkeit und öffentliche Gesundheit werden stärker berücksichtigt und die Positive Psychologie entwickelt sich von einer Wissenschaft des persönlichen Glücks zu einer Wissenschaft des kollektiven und nachhaltigen Wohlbefindens. Immer mehr wird klar, was ein Individuum glücklich macht, aber einem anderen Wesen oder dem Planeten schadet, kann nicht als nachhaltiges, echtes Wohlbefinden betrachtet werden. Entfaltung wird als gemeinsame Verantwortung in einer vernetzten Welt definiert. Die komplexe Natur des bio-psycho-sozial-ökologischen Wohlbefindens findet zunehmend Beachtung. Forscher sprechen von einer Regenerativen Positiven Psychologie, die den Blick auf den Schutz und die Förderung der, für unser Wohlbefinden notwendigen lebenserhaltenden, Systeme richtet. Dann hat die Positive Psychologie das Potenzial, eine entscheidende Rolle bei der Bewältigung der weltweiten Krisen und der Schaffung einer positiveren Zukunft einzunehmen.

Anwendungsbereiche der Positiven Psychologie

Persönlichkeitsentwicklung
Coaching
Therapie
Training
Beratung
Führung
Organisationsentwicklung
Erziehung
Pädagogik
Bildung
Medizin
Sport
und laufend entwickeln sich neue

Kritik an der Positiven Psychologie

Oftmals wird die Positive Psychologie als Happyologie, Positives Denken oder Positive Ideologie abgetan, die Negatives ausblendet und Positives überbetont. Sicherlich hat sich die Positive Psychologie, besonders zu Beginn ihrer Geschichte, sehr, vielleicht zu sehr, auf das Positive konzentriert. Dies hat sich jedoch im Laufe der Entwicklung verändert. Inzwischen gehört zur Positiven Psychologie auch die Betrachtung negativer Emotionen und die Erforschung von Krisen und Schwierigkeiten. Gleichzeitig bleibt die Positive Psychologie sich auch hier treu. Sie verleugnet nicht, dass das Leben nicht nur aus Schönem und Positiven besteht, sondern schaut auch, inwiefern Menschen Krisen und Schicksalsschläge gut bewältigen oder sogar an ihnen wachsen können.

Was Positive Psychologie definitiv nicht ist, ist Happyologie oder Positives Denken. Es geht weder darum, sich das Leben schönzureden, noch über alles hinwegzulächeln. Vielmehr geht es darum, zu erkennen, was einem im Leben wirklich wichtig ist, was einen als Person ausmacht und wie man auch in schwierigen Momenten gut mit sich umgehen kann. Themen wie Grit oder Willenskraft, die in der Positiven Psychologie erforscht werden, haben nichts mit naivem Optimismus zu tun. Vielmehr wissen wir inzwischen, dass nur Positive Phantasien uns nicht ans Ziel bringen, sondern dass es dafür viel mehr bedarf als nur Positives Denken.

Was die Positive Psychologie von einem Großteil der Ratgeberliteratur unterscheidet, die Positives Denken, Optimismus und vieles, was an Positive Psychologie erinnern könnte, empfiehlt, ist ihre wissenschaftliche Basis. Auch wenn viele Theorien, Modelle oder Interventionen der Positiven Psychologie so aufbereitet sind, dass sie auch außerhalb von Kreisen wissenschaftlicher Psychologen verständlich sind, beruhen sie jedoch trotzdem auf fundierter Forschung und aussagekräftigen Studien. Was nicht heißt, dass alles bei jedem wirkt, denn auch Studien bilden nur den Durchschnitt ab. Aber die Wahrscheinlichkeit ist höher, als bei einem Ratgeber, der auf der Erfahrung eines einzelnen Menschen beruht.

Das, was die Positive Psychologie eigentlich so stark macht, nämlich ihre wissenschaftliche Basis, ist ebenfalls Angriffspunkt für Kritik geworden. Ein Vorwurf ist die Positive Psychologie als Pseudowissenschaft, der es an empirischen Belegen mangelt und deren Ergebnisse nicht reproduzierbar sind und somit nicht verlässlich. Und ein Teil der Kritik trifft einen wunden Punkt. Die Forschung der Positiven Psychologie ist seriös und gleichzeitig hat sie Schwachstellen, wie jede andere psychologische Forschung auch. Studienteilnehmer bestehen zu großen Teilen aus Psychologie-Studenten, die an Befragungen teilnehmen müssen. Viele Erkenntnisse gehen auf einzelne Befragungen und kleine Teilnehmergruppen zurück, während komplexere Forschungsmethoden und repräsentative, groß angelegte Stichproben eher die Ausnahme sind. In Kombination mit einer teils ideologischen, übertriebenen und vereinfachten Vermarktung der Studienergebnisse durch unseriöse oder schlecht geschulte Anbieter und Multiplikatoren kann dies den ungerechtfertigen Eindruck einer Pseudowissenschaft erwecken.

Wenn Menschen den Begriff Positive Psychologie hören, fällt ihnen oftmals als Pendant der Begriff Negative Psychologie ein, berechtigterweise. Was die Positive Psychologie nicht möchte, ist die Psychologie als negativ abzuwerten. Sie versteht sich vielmehr als wichtige und sinnvolle Ergänzung. Sowohl die herkömmliche Psychologie, als auch die Positive Psychologie haben ihre Existenzberechtigung. Christopher Peterson, der eng mit den Anfängen der Positiven Psychologie verwoben ist, sprach von dem Wunsch, dass die Positive Psychologie irgendwann wieder ein vollintegrierter Teil der Psychologie werden solle, sodass es den Begriff Positive Psychologie gar nicht mehr geben müsse.

Häufige Fragen zur Positiven Psychologie

Was ist Positive Psychologie - kurz und knapp?

Die Positive Psychologie ist ein Forschungszweig der Psychologie, der wissenschaftlich untersucht, wie Menschen ein erfülltes und glückliches Leben führen können. Der Fokus reicht dabei vom individuellen Glück, über das Gedeihen von Gemeinschaften bis hin zum planetarischen Wohlbefinden. Die Positive Psychologie nimmt Stärken, positive Erfahrungen und Ressourcen in den Blick, statt Probleme und Defizite zu beheben, und betrachtet, wie nachhaltiges Handeln und positive Entwicklung das Wohlbefinden aller fördern können.

Was unterscheidet Positive Psychologie von klassischer Psychologie?

Die klassische Psychologie untersucht psychische Erkrankungen, Defizite oder Probleme, um diese zu verstehen und zu behandeln. Positive Psychologie hingegen legt den Fokus auf Stärken, positive Emotionen und Ressourcen, also auf das, was Menschen gesund, glücklich und erfolgreich macht. Beide Perspektiven ergänzen sich und stehen nicht im Widerspruch zueinander.

Warum heißt es Positive Psychologie - gibt es auch eine Negative Psychologie?

Der Name „Positive Psychologie“ bedeutet nicht, dass negative Erfahrungen oder Gefühle ignoriert werden und keine Rolle spielen. Er impliziert auch nicht, dass es eine „Negative Psychologie“ gibt. Stattdessen beschreibt er den Fokus der Positiven Psychologie auf das, was funktioniert und stärkt oder auch auf das Positive, das aus Negativem erwachsen kann. Es geht immer um eine positive Entwicklungsrichtung.

Worin unterscheidet sich Positive Psychologie von Positivem Denken?

Positives Denken ist eine populäre Selbsthilfemethode und Lebenseinstellung, bei der es darum geht, über Affirmationen und Visualisierungen Positives zu erschaffen und anzuziehen. Negative Gefühle werden dabei oft verdrängt oder ignoriert, was zu einer „toxischen Positivität“ führt. Positives Denken hat keine wissenschaftliche Basis und die Grenzen zur Esoterik sind fließend. Positive Psychologie hingegen ist wissenschaftlich fundiert und zeigt, wie Einstellungen, Verhaltensweisen und Emotionsregulation das Wohlbefinden fördern können. Leid und negative Gefühle werden akzeptiert und konstruktiv bewältigt.

Geht es in der Positiven Psychologie nur um Selbstoptimierung?

Bei der Positiven Psychologie geht es nicht um Selbstoptimierung, sondern darum, persönliche Stärken zu erkennen, kongruente Ziele zu verfolgen und ein stimmiges, selbstbestimmtes Leben zu führen. Auch das Annehmen von Unvollkommenheit, Scheitern und schwierigen Gefühlen sind wichtige Themen der Positiven Psychologie.

Ist die Positive Psychologie wissenschaftlich anerkannt?

Ja, die Positive Psychologie ist wissenschaftlich anerkannt. Als Forschungszweig der Psychologie umfasst die Positive Psychologie zahlreiche empirische Studien und international renommierte Forschende, die mit ihrem Namen für dieses Themengebiet stehen. Sie liefert evidenzbasierte Erkenntnisse, Modelle, Methoden und Interventionen für Alltag, Coaching, Training, Pädagogik, Business und viele weitere Themenbereiche.

Wird Positive Psychologie oft missverstanden?

Ja, häufig missverstehen Menschen Positive Psychologie als „Happyologie“ oder Positives Denken. Sie implizieren fälschlicherweise, dass es darum geht, immer glücklich zu sein, jederzeit optimistisch in die Zukunft zu blicken und Probleme zu verdrängen. Tatsächlich geht es darum, positive Muster im Denken, Fühlen und Verhalten zu integrieren, die einem auch dabei helfen, mit negativen Erfahrungen und Herausforderungen besser umzugehen.

Was bringt Positive Psychologie im Alltag?

Positive Psychologie hilft dabei, die eigenen Stärken, Ressourcen und positiven Erfahrungen bewusst wahrzunehmen und zu nutzen. Sie unterstützt Menschen dabei, mehr Freude, Sinn und Motivation in ihrem Alltag zu erleben, Beziehungen erfüllt zu gestalten und Herausforderungen resilienter zu meistern. Praktisch bedeutet das zum Beispiel, bewusst Momente des Glücks wahrzunehmen, Dankbarkeit zu üben oder Freundlichkeit zur Gewohnheit zu machen.

Wer kann Positive Psychologie anwenden?

Prinzipiell kann jeder Positive Psychologie nutzen, der sich mit dem Thema Wohlbefinden, Entwicklung und positiver Haltung und Kultur auseinandersetzen möchte. Einzelpersonen können Positive Psychologie zur Persönlichkeitsentwicklung nutzen. Coaches, Therapeuten und andere Heilberufe können Modelle und Methoden der Positiven Psychologie in Beratungen und Sitzungen integrieren. Pädagogen können Positive Psychologie in der Schule oder der Arbeit mit Kindern anwenden. Führungskräfte können mit der Positiven Psychologie positive Ansätze in die Mitarbeiterführung und Unternehmensentwicklung einfließen lassen.

Wo wird Positive Psychologie eingesetzt?

Positive Psychologie findet Anwendung in Coaching, Therapie, Training, Beratung, Organisationsentwicklung, Führung, Erziehung, Pädagogik, Bildung, Medizin, Gesundheitsförderung und im persönlichen Alltag. Sie trägt in allen Kontexten zu positiven Ergebnissen wie Zufriedenheit, Motivation, Leistung, Sinnerleben, Resilienz, Verbundenheit und Teamarbeit bei.

Kann Positive Psychologie bei psychischen Problemen helfen?

Positive Psychologie kann ergänzend bei psychischen Problemen hilfreich sein. Sie ist jedoch kein Ersatz für Psychotherapie. Begleitend kann sie aber dabei helfen, Ressourcen zu aktivieren, das Wohlbefinden zu steigern und die Bewältigung von Problemen zu unterstützen. Studien zeigen, dass Interventionen wie Dankbarkeitsübungen, Stärkennutzung oder Wertearbeit depressive Symptome, Angstzustände und psychische Belastungen verringern können, wenn sie in einem passenden Setting angewendet werden.

Ist Positive Psychologie Therapie?

Nein, Positive Psychologie ist keine Therapieform, sondern ein Forschungs- und Anwendungsfeld der Psychologie, der sich auf die Förderung von Wohlbefinden, Stärken und Sinn konzentriert. Therapeuten können Methoden der Positiven Psychologie in ihrer therapeutischen Arbeit nutzen, z.B. zur Stärkenaktivierung oder Sinnarbeit, aber immer eingebettet in ein anerkanntes Verfahren. Manchmal wird Positive Psychologie gleichgesetzt mit der „Positive Psychotherapie“ nach Peseschkian. Diese ist jedoch eine eigenständige, ressourcenorientierte psychotherapeutische Schule, die nur von der Positiven Psychologie inspiriert wurde.

Kann Positive Psychologie auch schaden?

Wie jedes Werkzeug kann auch die Positive Psychologie schaden, wenn sie falsch oder übertrieben angewendet wird. Wenn sie als Happyologie übertrieben wird und Menschen das Gefühl gibt, immer glücklich sein zu müssen oder der Fokus auf das individuelle Glück Überhandnimmt, ohne die Konsequenzen für anderen zu berücksichtigen, kann die Positive Psychologie auch negative Effekte haben. Richtig eingesetzt stärkt sie jedoch Resilienz, Wohlbefinden und Lebenszufriedenheit, ohne unerwünschte Nebenwirkungen.

Was sind die Grenzen der Positiven Psychologie?

Positive Psychologie ist nicht dafür gemacht, psychische Erkrankungen zu heilen oder aktute Krisen zu lösen. Auch kann sie belastende oder traumatische Faktoren wie Armut, Gewalt oder Ungerechtigkeit nicht direkt verändern. Als wissenschaftlicher Forschungszweig untersucht sie den menschlichen Durchschnitt. Insofern ist ihre Aussagekraft für ein einzelnes Individuum nur begrenzt und es gilt individuell herauszufinden, welcher Ansatz für einen Menschen passend und hilfreich ist.

 

Was gibt es für Kritik an der Positiven Psychologie?

Kritikpunkte an der Positiven Psychologie sind unter anderem:

  • ein zu starker Fokus auf individuelles Glück, was systemische Aspekte wie kollektives Wohlbefinden und Nachhaltigkeit außer Acht lässt,
  • die Vernachlässigung sozialer und struktureller Bedingungen, was Individuen alleine für ihr Wohlbefinden verantwortlich macht und Leistungsdruck erzeugt,
  • schlechte wissenschaftliche Basis aufgrund schwacher Evidenz, mangelnder Theoriebildung und Messprobleme,
  • eine zu starke Kommerzialisierung durch fragwürdige Angebote und Glücksversprechen.
Ist die Kritik an der Positiven Psychologie gerechtfertigt?

Einige Kritikpunkte an der Positiven Psychologie sind gerechtfertigt. Gleichzeitig hat die Positive Psychologie sich in den letzten Jahrzehnten weiterentwickelt und damit auf viele der Kritikpunkte reagiert. Interdisziplinäre Ansätze, bessere Methoden, transparente Forschung und die Einbeziehung von negativen Erfahrungen entschärft viele der Kritikpunkte.