Ein integrierter Blick auf das Wohlbefinden: Kombination und Korrelation von Hedonia und Eudaimonia

von Pancheva, Ryff & Lucchini
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Studie

Wohlbefinden hat zwei Facetten: das Erleben positiver Erfahrungen und die Entwicklung der eigenen Potentiale sowie das Erleben von Sinn. Beide Formen zahlen auf Wohlbefinden ein, eröffnen jedoch verschiedene Möglichkeiten.

Titel: An Integrated Look at Well‑Being: Topological Clustering of Combinations and Correlates of Hedonia and Eudaimonia

Autoren: Marta G. Pancheva, Carol D. Ryff, Mario Lucchini

Erschienen: 2020 im Journal of Happiness Studies

Zusammenfassung: Messunden des Wohlbefindens werden von Wissenschaftlern und politischen Entscheidungsträgern zunehmend als wertvolle Instrumente zur Bewertung der Lebensqualität angesehen. Hedonisches Wohlbefinden konzentriert sich auf positive Lebenserfahrungen der Menschen, während sich eudaimonisches Wohlbefinden mit der Realisierung des persönlichen Potenzials zusammenhängt. Inwieweit überschneiden sich jedoch ein „angenehmes“ und ein „aufblühendes“ Leben? Unter Verwendung einer innovativen Clustering- und Projektionstechnik wurden die Kombinationen von hedonischem und eudaiomonischen Wohlbefinden anhand einer national repräsentativen Längsschnittstudie an Erwachsenen in den USA untersucht. Die Ergebnisse zeigen, dass bei etwa 70% der Untersuchungsgruppe hedonisches und eudaimonisches Wohlbefinden konvergierten, d.h. dass beide entweder niedrig oder hoch waren. Die restlichen 30% der Befragten zeigten jedoch ein divergentes Wohlbefinden, also entweder hohes hedonisches und niedriges eudaimonisches oder niedriges hedonisches und hohes eudaimonisches Wohlbefinden. Der Zusammenhang zwischen den Wohlbefindensprofilen und einer Reihe soziodemografischer Merkmale wurde untersucht. Die Ergebnisse zeigten, dass die Wahrscheinlichkeit eines konvergenten hohen Wohlbefindens mit dem Alter steigt. Während ein höheres Einkommen, ein höheres Bildungsniveau und der Beziehungsstatus verheiratet mit einer geringeren Wahrscheinlichkeit erinhergeht ein konvergentes geringes Wohlbefinden zu erfahren. Das Erleben einer Kombination aus hohem hedonischem und niedrigem eudaimonischem Wohlbefinden war bei weniger gebildeten Personen häufiger. Konvergente Wohlbefindenskombinationen waren zeitlich stabiler, wohingegen konvergente Kombinationen eher Veränderungen ermöglichten. Personen mit einem niedrigem hedonischem und hohem eudaimonischen Wohlbefinden zeigten über einen Zeitraum von 10 Jahren eher eine positive Entwicklung ihres Wohlbefindens, als Personen mit einer anderen divergenten Wohlbefindenskombination.

Schlagwörter: Wohlbefinden, Hedonisches Wohlbefinden, Eudaimonisches Wohlbefinden

Hintergrund: Wohlbefinden wird zunehmend zu einem wichtigen Untersuchungsgegenstand und spielt auch bei politischen Entscheidungen eine immer größere Rolle. Was genau unter Wohlbefinden verstanden wird und wie es gemessen wird, unterscheidet sich jedoch immer noch sehr. In der Positiven Psychologie werden zwei Formen des Wohlbefindens unterschieden: das hedonische Wohlbefinden, also die positiven Erfahrungen und das Erleben positiver Emotionen  und das eudaimonische Wohlbefinden, das die Entwicklung der eigenen Potentiale und das Erleben von Sinn umfasst. Was bisher jedoch noch unklar ist, ist inwiefern diese Formen des Wohlbefindens zusammenhängen, sich überschneiden oder vielleicht sogar ergänzen. Man weiß aus bisherigen Untersuchungen, dass das hedonische und eudaimonische zwei getrennte Faktoren sind, die beide auf das allgemeine Wohlbefinden wirken. In vielen Untersuchungen werden sie jedoch zusammengefasst oder es wird nur eine Facette des Wohlbefindens untersucht.

Forschungsfrage: Die Autoren gehen in der vorliegenden Studie der Frage nach, wie hedonisches und eudaimonisches Wohlbefinden im Leben eines Erwachsenen zusammenkommen. Die Autoren wollen herausfinden, was häufig vorkommende Kombinationen von hedonischem und eduaimonischem Wohlbefinden sind und welchen spezifischen Beitrag die einzelnen Unterkomponenten leisten. Es soll analysiert werden, wie die verschiedenen Wohlbefindenskombinationen in der Bevölkerung verteilt sind und welche Zusammenhänge es mit soziodemografischen Variablen und der zeitlichen Entwicklung gibt.

Methodik: Die Autoren nutzen eine amerikanische Längsschnittstudie mit knapp 2400 TN zwischen 30-93 Jahren. Die Teilnehmen nahmen bei dieser Studie zweimal in einem Abstand von 8 Jahren an einem telefonischen Interview teil und füllten einen Fragebogen aus. Um das hedonische Wohlbefinden zu untersuchen, wurde das Konzept des Subjektiven Wohlbefindes nach Ed Diener genutzt, das eudaimonische Wohlbefinden bezieht sich auf das Konzept des Psychologischen Wohbefindens nach Carol Ryff. Die Auswertung der Ergebnisse erfolgte mithilfe einer modernen Clustertechnik

Ergebnisse: Die Ergebnisse zeigen bei 70% der Teilnehmer ein konvergentes Wohlbefindensprofil, d.h. sowohl hedonisches als auch eudaimonisches Wohlbefinden sind beide hoch oder niedrig. Dieses Ergebnis unterstützt die bisherige Annahme, dass ein starker Zusammenhang zwischen hedonischem und eudaimonischem Wohlbefinden besteht. Hedonisches und eudaimonisches Wohlbefinden scheinen sich zu ergänzen, vielleicht sogar gegenseitig zu verstärken. Bei 30% der Untersuchungsgruppe zeigte sich jedoch eine divergente Wohlbefindenskombination. Bei den Teilnehmern war also das hedonische Wohlbefinden hoch und das eudaimonische Wohlbefinden niedrig, oder andersherum. Dieses Ergebnis bestätigt wiederum, dass hedonisches und eudaimonisches Wohlbefinden zwei getrennte Faktoren sind.

In Hinblick auf die Betrachtung verschiedener soziodemograohischer Faktoren zeigte sich, dass hohe konvergente Wohlbefindensprofile mit hohem Alter, höherem Einkommen, besserer Bildung und dem Beziehungsstatus verheiratet in Zusammenhang stehen. Eine Kombination von hohem hedonischem Wohlbefinden und niedrigem eudaimonischem Wohlbefinden zeigte sich eher bei weniger gebildeten Menschen. Eine Kombination von niedrigem hedonischem Wohlbefinden und hohem eudaimonischem Wohlbefinden könnte durch eine starke Orientierung auf Sinn und persönliche Entwicklung entstehen oder verstärkt werden. Bei dieser Wohlbefindenskombination zeigten sich insbesondere hohe Werte bei den Unterkomponenten des Psychologischen Wohlbefindens Autonomie, Persönliches Wachstum und Sinn.

In Bezug auf die zeitliche Entwicklung zeigte sich, dass ein konvergentes Wohlbefindensmuster im Zeitveraluf eher stabil war, wohingegen ein divergentes Muster größere Veränderungen ermöglichte. Insbesondere bei einer Kombination von hohem eudaimonischem und niedrigem hedonischem Wohlbefinden waren positive Entwicklungen wahrscheinlicher.

Diskussion: Die vorliegende Studie legt nahe, dass auch bei zukünftigen Untersuchungen der Zusammenhang von hedonischen und eudaionischen Wohlbefinden mindestens beachtet werden sollte. Weitere Studien, die Zusammenhänge der Dimensionen z.B. mit Gesundheit, Sterblichkeit etc. untersuchen, wären wünschenswert. Untersuchungen, die nur eine Dimension des Wohlbefindens untersuchen, sind nicht ausreichend und aussagekräftig.

Zitation: Pancheva, M. G., Ryff, C. D., & Lucchini, M. (2020). An Integrated Look at Well-Being: Topological Clustering of Combinations and Correlates of Hedonia and Eudaimonia. Journal of Happiness Studies, 1-23.

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Alexandra Loeffner - Positive Psychologie

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