Wenn der Job eine Berufung ist: Stärkennutzung auf der Arbeit

von Harzer & Ruch
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Studie

Die Nutzung der eigenen Stärken im Arbeitskontext macht einen großen Unterschied in Bezug auf die Arbeitszufriedenheit. Kann man mehrere seiner Stärken anwenden, macht dies aus einem Job eine Berufung.

Titel: When the Job is a Calling: The Role of Applying One’s Signature Strengths at Work

Autoren: Claudia Harzer und Willibald Ruch

Erschienen: 2012 im Journal of Positive Psychology

Thema: Stärken, Arbeitszufriedenheit

Schlagwörter: Charakterstärken, Signaturstärken, Arbeitszufriedenheit, Berufung, Freude, Engagement, Sinn, VIA-IS, Positive Psychologie

Eine hohe Arbeitszufriedenheit und das Empfinden des Berufs als Berufung und nicht nur als Job, macht nicht nur auf persönlicher Ebene einen großen Unterscheid. Auch aus unternehmerischer Sicht ist es sinnvoll die Zufriedenheit seiner Mitarbeiter zu fördern, da dies mit höherer Leistung, weniger Fluktuation und weniger Abwesenheiten einhergeht. Aus bisherigen Studien ist bekannt, dass die Nutzung von Stärken einen Einfluss auf die Arbeitszufriedenheit und das Sinnerleben hat. Die vorliegende Studie von Harzer und Ruch untersucht, welche Rolle die Anwendung der individuellen Signaturstärken bei der Arbeit in Bezug auf positive Erfahrungen bei der Arbeit (z.B. Arbeitszufriedenheit, Freude, Engagement, Sinnerleben) und dem Empfinden als Berufung spielt. Signaturstärken sind die Stärken, mit denen ein Mensch sich identifiziert, die er häufig und gerne ausübt und dessen Nutzung ihn energetisiert. Menschen, die ihren Beruf als Berufung empfinden, sehen ihre Arbeit als ihren Lebenszweck und nicht als Mittel für finanzielle Belohnung (= Job) oder Beförderung (=Karriere).

Eine Stichprobe von 111 Mitarbeitern mit verschiedenen Berufen beantwortete Fragen zu Charakterstärken (VIA-IS), positiven Erfahrungen bei der Arbeit und dem Empfinden ihres Jobs als Berufung. Außerdem bewerteten ihre Kollegen die Anwendbarkeit der verschiedenen Charakterstärken im jeweiligen Arbeitsumfeld.

Die Studie zeigt, dass Mitarbeiter mehr positive Erfahrungen machen und ihren Job eher als Berufung empfinden, wenn sie vier bis sieben Signaturstärken bei der Arbeit anwenden können. Dabei waren die positiven Erfahrungen intensiver, je zentraler und bedeutsamer die angewandten Stärken für den Mitarbeiter waren. Bei Mitarbeitern, die weniger als vier Stärken nutzen können, waren die positiven Erfahrungen deutlich niedriger und die Arbeit wurde nicht als Berufung empfunden. Ab einer Anwendbarkeit von vier Signaturstärken scheint also ein guter Fit zwischen Mitarbeiter und Beruf vorzuliegen, der einen deutlichen Unterschied im Erleben macht. Diese Wirkung tritt sowohl direkt ein, durch die Anwendung der Stärken, als auch indirekt, durch mehr positive Erfahrungen, die ebenso dazu beitragen, dass der Beruf als Berufung empfunden wird.

Die vorliegende Studie macht deutlich, wie wichtig eine Passung von Mitarbeiter und seinen (Signatur-)Stärken sowie seinem Arbeitsplatz ist, als auch die Möglichkeit der Stärkenanwendung, z.B. durch Jobcrafting. Aber auch durch mehr positive Erfahrungen kann dazu beigetragen wird, dass die Arbeit als Berufung empfunden wird.

Zitation: Harzer, C., & Ruch, W. (2012). When the job is a calling: The role of applying one’s signature strengths at work. The Journal of Positive Psychology, 7(5), 362-371.

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Alexandra Loeffner - Positive Psychologie

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