Selbstmitgefühl vs. Selbstwert: 2 Arten der Beziehung zu sich selbst

von Neff & Vonk
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Studie

Selbstmitgefühl vereint die Vorteile eines hohen Selbstwertes, wie Zufriedenheit, Optimismus und positive Emotionen, ohne jedoch die Nachteile eines hohen Selbstwertgefühls, wie Narzissmus, Selbstüberschätzung oder soziale Vergleiche mit sich zu bringen. Damit ist Selbstmitgefühl die gesunde Alternative zum Streben nach einem hohen Selbstwert.

Titel: Self-Compassion Versus Global Self-Esteem: Two Different Ways of Relating to Oneself

Autoren: Kristin Neff & Roos Vonk

Erschienen: 2009 im Journal of Personality

Thema: Selbstmitgefühl, Selbstwert

Das Interesse am Thema Selbstwert ist ungebrochen und die Frage, wie man das Selbstwertgefühl steigern kann, beschäftigt viele Menschen. Dabei bringt ein hohes Selbstwertgefühl nicht nur positive Aspekte mit sich. Selbstwert wird als das Ausmaß beschrieben, in dem sich Menschen selber als kompetent und wertvoll einschätzen. Das Selbstwertgefühl speist sich dabei sowohl aus der eigenen Selbsteinschätzung, als auch aus der Bewertung durch andere. In der Psychologie wurde ein hohes Selbstwertgefühl jahrzehntelang als wichtigster Faktor psychischer Gesundheit angesehen und dieses Denken ist heute auch außerhalb der Psychologie immer noch sehr präsent. Dabei haben viele Studien inwzischen gezeigt, dass ein hoher Selbstwert auch negative Konsequenzen nach sich zieht. Selbstmitgefühl bezeichnet einen freundlichen und mitfühlenden Umgang mit sich selbst, insbesondere in schwierigen Momenten, Krisenzeiten oder bei Misserfolgen und dem Umgang mit den eigenen Schwächen und Nöten. Selbstmitgefühl beinhaltet drei Komponenten: Selbstfreundlichkeit, ein Gefühl der verbindenden Humanität und Achtsamkeit. Bisherige Studien zeigen, dass selbstmitfühlende Menschen psychisch gesünder sind und sich positive Zusammenhänge auf vielen verschiedenen Ebenen zeigen. Die vorliegende Studie von Neff und Vonk untersucht deshalb die Unterschiede zwischen Selbstwert und Selbstmitgefühl.

In Studie 1 des vorliegenden Papers wurden mehr als 2000 Teilnehmer über einen Zeitraum von 8 Monaten zwölfmal zu ihrem Selbstmitgefühl, Selbstbewusstsein und weiteren Aspekten befragt. In der zweiten Studie wurden 165 Studenten befragt, um heraufzufinden, wie die Zusammenhänge zwischen Selbstmitgefühl und Zufriedenheit, Optimismus sowie positiver Stimmung sind.

Die Studien zeigen, dass Selbstmitgefühl negativ mit Selbstwertinstabilität, sozialem Vergleich, Selbstüberschätzung und Wut zusammenhängt. Damit hat Selbstmitgefühl einen positiven Einfluss auf die psychische Gesundheit und Zufriedenheit, im Gegensatz zum Selbstwert. Bemerkenswert ist, dass Selbstmitgefühl ein stabiles Selbstwertgefühl besser vorhersagte, als das globale Selbstbewusstsein. Das Ergebnise deutet darauf hin, dass Selbstmitgefühl eher zu einem stabilen Selbstwert führt, als ein globales Selbstbewusstsein. Selbstmitgefühl macht das Selbstwertgefühl außerdem weniger abhängig von äußeren Faktoren, wie sozialer Anerkennung, Leistung und Erfolg oder Attraktivität. Selbstwert hingegen zeigte starke Zusammenhänge mit Narzissmus, im Gegensatz zu Selbstmitgefühl. Selbstmitgefühl scheint die Notwenigkeit zu verringern, sein eigenes Ego aufzublähen, da man  selbstmitfühlend sowohl seine Stärken, als auch Schwächen annehmen kann. Auch das Bedürfnis danach, sein eigenes Ego zu verteidigen, scheint mit wachsendem Selbstmitgefühl zu sinken. Stattdessen erleben selbstmitfühlende Menschen weniger Wut auf sich selbst oder andere und können besser mit Ambiguitäten und Unsicherheit umgehen. Gleichzeitig zeigt Selbstmitgefühl positive Zusammenhänge  einer hohen Zufriedenheit, Optimismus und positiver Emotionalität.

Zusammengefasst zeigt die Studie deutlich, dass ein hohes Selbstwertgefühl im Gegensatz zum Selbstmitgefühl kaum positive Aspekte mit sich bringt. Sondern sogar Zusammenhänge mit negativen Ausprägungen, wie Narzissmus zeigt. Selbstmitgefühl hingegen zeigt jedoch signifikante Zusammenhänge mit verschiedenen Komponenten psychischer Gesundheit. Der Grad, in dem Menschen freundlich zu sich selbst sind und sich verbunden und zentriert fühlen, insbesondere wenn sie mit persönlichen Unzulänglichkeiten konfrontiert werden, ist wichtiger für ein gesundes Selbstwertgefühl, als ein hohes Selbstbewusstsein.

Zitation: Neff, K. D., & Vonk, R. (2009). Self‐compassion versus global self‐esteem: Two different ways of relating to oneself. Journal of personality, 77(1), 23-50.

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